Während der Spiele wollen die Menschen die Spiele sehen

imageHeute hat Deutschland gespielt, ich bin noch in Zirndorf, überall Public Viewing und Public Huping. Scheint’s, die Deutschen haben gewonnen, wie hoch: Ich weiß es nicht. Jetzt wird es natürlich enger, Deutschland hat nach dem Ausscheiden von England, Spanien und Italien (Angstgegner!) gute Chancen im Turnierverlauf noch recht weit zu kommen (woher ich das weiß? Weil ich manchmal immer noch Zeitung lese, egal welche, und man nahezu zwangsläufig darüber stolpert). So ein Mist! 🙂 Ausgerechnet, wenn ich mal eine WM boykottiere… Der Fußball-Fan in mir leidet, der experimentierfreudige Teil sagt sich: Jetzt wird es doch erst richtig interessant.

Haben sich eigentlich schon immer so viele Leute für Fußball interessiert? Oder haben wir es bei der Massenbegeisterung mit der Auswirkung gezielter Marketingkampagnen zu tun? Verstehen die eigentlich alle was von Fußball? Jemals selber gespielt? Oder handelt es sich eher um den RTL-Formel-1-Effekt? Früher hat sich keine Sau für Formel-1 interessiert, bis ein paar gewiefte Marketingexperten einen Markt geschnuppert haben und ihn gezielt in’s öffentliche Bewußtsein gedrückt haben. Oh, Du selige Konsumgesellschaft – lässt Du Dir alles verkaufen, Hauptsache, es wird nur häufig genug auf allen möglichen Kanälen in Deine Sinneskanäle hineingepumpt? Ist Repetition wirklich das einzige Geheimnis, um den Massen das Gehirn zu waschen?

In knapp 2 Wochen wird die WM vorbei sein, alle offenen Fragen werden dann weiterhin offen sein. Wir aber haben dann eine vergnügliche Zeit hinter uns, in der die Fragen nicht ganz so drängend empfunden wurden. Dass muss reichen.
Uns abzulenken sitzt als Bedürfnis so tief in uns. Warum eigentlich? Wovor lenken wir uns ab? Was macht die Conditio humana so bedrohlich, dass wir ihr immer und immer wieder entfliehen (müssen), sei der Preis auch noch so hoch?
Es bleiben noch ein paar Tage, um diesen Fragen nachzuspüren.

Und, auch klar: Je weiter die X kommen (bei X jedes beliebige Teilnehmerland der WM einsetzen), desto uninterssanter werden die Überlegungen zu den Hintergründen und Protesten im Land X. So hat es bspws. eine brasilianische Politikerin kommentiert (Zitat Handelsblatt, 26.6.): „Das ist nicht mehr der Moment für Proteste. Während der Spiele wollen die Menschen die Spiele sehen. Das ist natürlich“, sagt die linke Präsidentschaftskandidatin der Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL), Luciana Genro.

Lass die Brasilianer früh ausscheiden und die Proteste könnten wieder aufleben, so zumindest die Überlegungen von einigen Beobachtern der Stimmung in Brasilien.
Aber Fußball/Sport und Politik haben nun wirklich nichts miteinander zu tun!

Für Brot, für Spiel, gegen Spiele

Jürgen

 

 

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