Nothing left to lose

freedoms_just-59167Es kommt, wie es kommen musste: Deutschland ist im Finale, und hat nach allem, was ich so mitbekomme gute Chancen Weltmeister zu werden. Ich muss jetzt nur noch ein Spiel durchhalten, dann habe ich es geschafft. Gut, es ist das Spiel der Spiele bei so einem Turnier, aber es ist nur noch eines, dann ist der Spuk vorbei. 
Man sieht jetzt in Brasilien ganz schön, wie groß inzwischen die Bedeutung des Fußballs auch in gesellschaftlich-politischer Hinsicht geworden ist. Eine Regierung wackelt, Menschen gehen jetzt wieder auf die Straße, um zu protestieren, eine ganze Nation wacht aus einem Rausch auf und ist extrem verkatert. Und da sag noch mal jemand, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben! Das ist ist eine lächerliche Schutzbehauptung von Sportlern, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht stellen wollen. Ähnlich argumentieren ja auch Wissenschaftler, die unabhängig von ethischen Fragen ihre Forschungen vorantreiben, weil sie sich nur als Forscher sehen. Den Umgang mit den Ergebnissen ihrer Forschung müssen bitte andere reglementieren. Ich glaube, dass uns diese Haltung enorme Schwierigkeiten bereitet. Wir brauchen mehr von einem Bewusstsein für Zusammenhänge und keinen isolierten Bereiche, die so tun, als hätten sie miteinander nichts zu tun: Wissenschaft, die gesellschaftliche Verantwortung ablehnt. Politik, die sich nicht für psychologische und spirituelle Fragen des Menschseins interessiert. Esoteriker, die so tun, als wären alle Wissenschaftler verblendet und dumm. Und so weiter uns so fort. Wir brauchen mehr Dialog zwischen diesen Teilbereichen, weil sie alle voneinander profitieren könnten. Stattdessen haben wir an vielen Stellen noch Arroganz und elitäres Denken. Aber zurück zum Thema. 
Mein Gott, ist der Fußball den Menschen wichtig! Bilder von trauernden Gesichtern, weinende Menschen, Gesichter voller Verzweiflung und Niedergeschlagenheit. Weil eine Fußballmannschaft ein Spiel verloren hat! Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass es sich bei diesem Phänomen um eine extrem starke Projektionsdynamik handeln muss. Wir verlängern unsere Identität auf etwas außerhalb von uns, auf eine Fußballmannschaft, und sind dann glücklich, wenn sie gewinnt und weinen dann, wenn sie verliert. Aus der Ferne betrachtet mutet das in der Tat ein wenig absurd an. Aber es ist ein Mechanismus, der uns in vielen anderen Bereichen auch gefangen hält. Was ist denn bitte daran so traurig, wenn eine Fußballmannschaft verliert? Das kann doch nur so sein, weil ich mit ihr verliere, weil ich etwas verliere, was mir bedeutsam ist. Ein Gefühl von Stärke vielleicht? Ein Gefühl von Überlegenheit? Besser zu sein als andere? Ach, ich glaub, ich wiederhol mich. Aber dieser Einblick ist für mich im Moment schon extrem spannend, denn die Frage ist doch: Was lässt uns denn so stark im Außen nach solchen Identifikationsfiguren/symbolen suchen? Und welchen Mangel verdecken wir damit? Geht es darum unser Gefühl von Kleinheit irgendwie zu überspielen? Ist es eine Form der Transzendierung unseres kleinen Ich´s in etwas größeres? Funktioniert das nicht bei Religion genau so? – 
Auch das sind keine ganz neuen Gedanken hier im Blog, deshalb lasse ich es für heute mit diesen Betrachtungen gut sein. 
Übermorgen ist Finale. Dann spitzt sich die Energie noch einmal richtig zu. Ich werde da sein und beobachten, was es für Einsichten in diesen Stunden zu gewinnen gibt. Bald ist Schluss. Und es ist auch gut so. 

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