Vier sind Helden

Dso_sehn_sieger_aus_155545er Titel der heutigen Bild-Zeitung („Ein neues Vier-Gefühl“) hat mich zur Schreibweise, nicht zur Überschrift selbst, inspiriert. Ja, sowas soll´s geben: Die Bild-Zeitung als Impulsgeber für Autoren! Was ich am Bild-Titel bemerkenswert finde, ist das Spiel mit dem Wort „Wir-Gefühl“ – es ist natürlich die Gemeinschaft der Deutschen damit angesprochen, und dass man ein Teil davon ist. Aber auch dass eben diese Deutschen so tolle Kerle sind, dass sie jetzt 4 Sterne auf dem Trikot haben (für vier gewonnene Weltmeister-Titel). Und dass es nicht diese Nationalmannschaft war, diese eine Fußballmannschaft, zusammengesetzt aus Fußballmillionären, die sich in ihrem Beruf schwindlig verdienen. Nein, es waren „vier“ alle! Also Du und ich auch. Und da bin ich jetzt bei meiner Überschrift: „Vier sind Helden“. 
Mir ist in der Nacht, in der Deutschland das Spiel gegen Argentinien gewonnen hat – ich lag schon im Bett, aber es war nicht zu überhören, dass es so passierte – klar geworden, dass es eine große Sehnsucht gibt, bei so einem Drama dabei zu sein und diese Spannung, dieses Gewinnenwollen, dieses Teil von etwas Größerem sein wollen hautnah zu erleben. Es ist mir gerade in dieser Nacht extrem schwer gefallen und ich habe auch Gefühle von Bedauern, Traurigkeit und Schmerz in mir vorgefunden. Es geht bei so einer WM auch darum, dem eigenen Leben Bedeutung zu verleihen. „Vier“ sind jetzt wer! Wir haben Macht. Wir haben Einfluss. Wir sind etwas Besonderes. – 
Sind wir natürlich nicht. Aber die Illusion wird sehr stark erzeugt. Deutschland ist Weltmeister. Nicht nur im Fußball. Sondern überhaupt so. Weltmeister halt. Die Bedeutsamsten der Bedeutsamen. 
Unsere Fußballer sind jetzt Helden, die gefeiert werden. Wir sehnen uns nach Helden. Warum eigentlich? Ich vermute, weil Helden uns einen Geschmack davon geben, was wir selbst gerne wären bzw. sein könnten. Wenn wir nur unsere Ängste ablegen und selber ein heldenhaftes Leben leben würden. Wozu sonst im Außen nach Helden gieren?
Ich selber profitiere nicht im Geringsten davon, dass Deutschland Fußballweltmeister ist. Vielleicht vom Gefühl her, dass ich mich besser, stärker fühle. Für eine Zeit zumindest. Bis der Alltag mich wieder hat. Und ich doch wieder vor meinen Fragen stehe. Fragen, die mich nicht loslassen oder nur für kurze Zeit. Für vier Wochen während einer Fußball-WM zum Beispiel. Eine Zeit, in der ich mich groß fühlen darf, wichtig, überlegen. Und sei es nur stellvertretend durch ein Paar Fußballer, die ein Spiel spielen namens Fußball. 
Irgendetwas daran ist lustig. 
Irgendetwas daran ist traurig. 
Irgendetwas daran ist verquer. 

Ich bin froh, dass jetzt erst mal wieder eine ruhigere, weniger von Fußball geprägte Zeit kommt. 

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